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NABU NRW-Jahresbilanz 2009

NABU NRW-Jahresbilanz 2009

Starkes Mitgliederwachstum gibt Sicherheit

Jahresbericht 09

14. Juni 2010 - Der Naturschutzverband NABU NRW kann weiterhin auf Unterstützung in der Bevölkerung bauen. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht 2009, den der NABU heute der Öffentlichkeit in Düsseldorf präsentierte. Über 2100 Mitglieder sind demnach im vergangenen Jahr unter dem Strich hinzugekommen, gut 56.000 waren es damit zum Jahresende. Die Mitgliedsbeiträge in Höhe von insgesamt 616.000 Euro sind nicht nur die bedeutendste Einnahmequelle, sie sichern dem Verband auch seine Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern. „Hier zahlt sich das langjährige Engagement in der Region und vor Ort aus. Wir reden nicht nur, wir handeln. Das erkennen immer mehr Menschen an und unterstützen uns aktiv oder mit einer Mitgliedschaft, einer Spende oder einer Zustiftung an unsere NABU-Stiftung Naturerbe NRW“, sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Diese Zahlen ließen ihn trotz aller politischen Unklarheiten zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Anders sehe das bei den nach wie vor drängenden Themen auf landespolitischer Ebene aus – dem Klimaschutz und dem Erhalt der Biodiversität. In beiden Fällen hätte sich die alte Landesregierung ambitionierte Ziele gesetzt, sei es mit ihrer Anpassungsstrategie an den Klimawandel oder dem bereits 2007 erklärten Beitritt zum Countdown 2010-Prozess. „An der Umsetzung jedoch mangelt es nach wie vor“, so Tumbrinck weiter. Der Schutz der Artenvielfalt sei häufig nicht das Papier wert, auf dem er stehe. Ob beim geplanten Ausbau des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO), der geplanten Kiesabgrabung ´Reeser Welle´ oder beim Verkauf von 2600 Hektar Eifelwald, immer wieder würden die Belange des Natur- und Artenschutzes mit Füßen getreten.

Biodiversitaetslogo 2010

So seien in allen drei Fällen Schutzgebiete von europäischem Rang betroffen. Im Falle des FMO und der Abgrabung ´Reeser Welle´ hätte der NABU deshalb Verbandsklagen eingereicht. „Gerade diese Fauna-Flora-Habitat-Gebiete sind für das Erreichen der Biodiversitätsziele von zentraler Bedeutung. Werden sie nicht mit aller Macht vor weiterer Zerstörung und Entwertung bewahrt, wird es schwierig den weiteren Verlust der Artenvielfalt hier in NRW noch aufzuhalten“, erklärte der NABU-Landeschef. Egal welcher Couleur, die kommende Landesregierung müsse dem Natur- und Artenschutz daher wieder eine deutlich höhere Priorität einräumen. Sie müsse eine Biodiversitätsstrategie für NRW entwickeln, die fehlenden Managementpläne für die europäisch bedeutsamen Schutzgebiete zügig erstellen und vor allem die darin vorgesehen Maßnahmen umsetzen.

Der anhaltende Ausverkauf des heimischen Naturerbes, insbesondere aber der Verkauf von Staatswaldfläche zur Sanierung der Haushaltslöcher und das damit einhergehende Signal, dass der Wald beim Land nicht mehr in sicheren Händen ist, habe beim NABU in 2009 dazu geführt, ein alternatives Konzept entwickeln zu lassen, wie Schutzgebiete in Landesbesitz zukünftig dauerhaft gesichert und betreut werden können. „Das Ergebnis, das Bürgerwald-Konzept, und die daraus resultierende NABU-Forderung, alle Schutzgebiete des Landes in eine Stiftung zu überführen, sorgen seit geraumer Zeit für Aufregung insbesondere beim Forst“, so Tumbrinck. Die angelaufene Diskussion, um die zukünftige Ausrichtung der Waldwirtschaft in NRW, sei aus Sicht des NABU aber durchaus positiv zu werten. Nur in gemeinsamen Gesprächen ließen sich schließlich zukunftsweisende Modelle erarbeiten.

Braunkohlekraftwerk Niederaußem

Zum Erreichen der Klimaschutzziele setze das Land weiterhin auf den Ausbau der Kohlekraft – aus Sicht des NABU der falsche Weg. Tumbrinck: „Damit hier für die Zukunft die Weichen richtig gestellt werden, fordert der NABU gemeinsam mit der Klima-Allianz NRW ein Landesklimaschutzgesetz. Darin soll für Nordrhein-Westfalen eine Treibhausgasminderung um mindestens 40 Prozent für den Zeit-raum 1990 bis 2020 sowie um 95 Prozent bis 2050 verbindlich festgeschrieben werden. Zudem soll der Bau weiterer Kohlekraftwerke unterbunden werden.“ Stattdessen sollte ein verlässlicher Rahmen für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung beschlossen werden. „Die Forderung nach dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist allerdings kein Freibrief. Auch dieser Ausbau muss naturverträglich geschehen und darf nicht zu einem weiteren Verlust an biologischer Vielfalt führen“, sagte Tumbrinck weiter.

Angesichts der nach der Wahl entstandenen politischen Hängepartie in NRW, rief der NABU-Vorsitzende dazu auf, zumindest in wichtigen politischen Fragen schon in den kommenden Landtagssitzungen erste Beschlüsse auf den Weg zu bringen: „Die Wählerinnen und Wähler in NRW haben sich mit ihrer Parteienpräferenz klar für grüne ökologische Revolution ausgesprochen, wie wir sie als NABU vor der Wahl mit dem DGB zusammen gefordert haben. Der ökologische Umbau in NRW muss jetzt angepackt werden, sei es mit einer Minderheitsregierung oder mit einer Gestaltungsmehrheit im Landtag.“

Klinglerpreisträger NAJU Warendorf

Eine erfreuliche Entwicklung innerhalb des Verbandes nahmen 2009 zwei unterschiedliche ´Investitionen in die Zukunft des NABU und seiner Ziele´. So wurden im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe von Naturschutzjugend (NAJU) und Naturschutzbund (NABU) hier in NRW 20 neue Kindergruppen gegründet. Und das Vermögen der NABU-Stiftung Naturerbe NRW konnte um 30.000 Euro auf rund 466.000 Euro gesteigert werden. „Fast wichtiger noch als der finanzielle Zuwachs ist die Tatsache, dass sechs neue Naturschutzfonds unter dem Dach der Stiftung gegründet wurden und von der gemeinsamen Geldanlage und Verwaltung profitieren“, so Bernhard Kamp, Geschäftsführer des NABU NRW.

Im zurückliegenden Jahr wurden rund 14.500 Euro an Zinsen erwirtschaftet. Der Stiftungsvorstand unterstützte landesweit Projekte mit 9.200 Euro. Dazu zählten der Rheinische Obstsortengarten, das Buch „Unterwegs und Draußen“ und der Fledermauskeller in Bocholt. „Obwohl sich die Stiftung mit ihrem Vermögen noch in der Aufbauphase befindet, leistet sie schon heute ein Stück finanzieller Sicherheit für den Natur- und Umweltschutz in Nordrhein-Westfalen“, sagte Kamp weiter. Dieser Weg solle konsequent weiter beschritten werden.

Eine weitere Erfolgsmeldung gäbe es aus der zweiten NABU-Stiftung der Stiftung Dingender / Büngernscher Heide zu vermelden. Diese Stiftung wurde in 2000 zur dauerhaften Sicherung und Betreuung des NABU-Kulturlandschaftsprojektes in der Dingdener Heide gegründet. In 2008 wurden bereits sämtliche bis dahin in Landesbesitz befindlichen Naturschutzflächen durch Überführung in Stiftungseigentum dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Im vergangenen Jahr wurden nun auch die NABU-eigenen Flächen in den Stiftungsbesitz überführt. Tumbrinck: „Das können wir uns in ähnlicher Weise auch für andere wertvolle Schutzgebiete im Land vorstellen.“

Für Rückfragen:
Pressestelle NABU NRW, Birgit Königs, Tel. 0211-159251-14

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