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NABU fordert Änderung der Rahmenbedingungen für das FÖJ in NRW

Einstellungsvorraussetzungen für das Freiwillige Ökologische Jahr gehen an Realität vorbei


Nettetal, 15.07.1999 -
In einem Schreiben an NRW-Jugendministerin Birgit Fischer forderte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes NABU, Josef Tumbrinck, die Rahmenbedingungen für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) in Nordrhein-Westfalen zu ändern. Wie in anderen Bundesländern durch eine Studie bereits belegt, stellt auch der NABU in NRW fest, dass sich zu 90% Schulabgänger mit Hochschul- oder Fachhochschulreife bewerben, die sich nach der Schule in einer Berufsorientierungsphase befinden. Da die Rahmenbedingungen für das FÖJ in Nordrhein-Westfalen vorsehen, mindestens die Hälfte der angebotenen Stellen mit Hauptschul- oder Realschulabsolventen zu besetzen, erhalten jedes Jahr viele Interessenten eine Absage und vorhandene Plätze bleiben unbesetzt.

Um die Zukunft der FÖJ-Stellen beim größten nordrhein-westfälischen Natutrschutzverband zu sichern, forderte der NABU Ministerin Fischer auf, die Einstellungsvoraussetzungen dahingehend zu ändern, dass FÖJ-Stellen im Verhältnis zur Bewerbungslage nach Schulabschlüssen vergeben werden können. "Nur so sehe ich uns in der Lage, dem FÖJ Stellen bei einem Naturschutzverband zur Verfügung zu stellen", bekräftigte der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck die Dringlichkeit seiner Forderungen während eines Informationsgespräches auf dem NABU-Naturschutzhof in Nettetal.

"Der NABU Landesverband NRW setzte sich in der Vergangenheit über Jahre hinweg dafür ein, das FÖJ auch in Nordrhein-Westfalen einzuführen. Als sich die Landesregierung schließlich 1994 dazu durchgerungen hatte, versuchsweise das FÖJ anzubieten, war das aus Sicht des NABU nur teilweise ein Erfolg", berichtete Tumbrinck weiter. "Schon damals kritisierten wir die starken Einschränkungen für den Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unsere Skepsis von damals ist leider von der Realität bestätigt worden."


Zusammen mit seiner Naturschutzjugend (NAJU) bietet der NABU im Rheinland neun FÖJ-Stellen der insgesamt dort vorhandenen 72 Plätze an. Mehrere dieser Stellen sind jetzt akut gefährdet, weil maximal drei Personen mit Hochschulreife eingestellt werden dürfen, andererseits aber nur in den wenigsten Fällen Bewerbungen von Interessenten mit Haupt- oder Realschulabschluß vorlagen. Trotz der schlechten Bewerbungslage hatte der NABU versucht, mindestens auf vier der neun Stellen Personen mit Haupt- oder Realschulabschluß einzustellen. Dieses Verhältnis trägt der Landschaftsverband Rheinland in diesem Jahr nicht mit. "Obwohl die Bewerbungsfrist Ende Juni längst verstrichen ist und die jetzige FÖJ-Absolventin nur noch wenige Tage hier auf dem Naturschutzhof mitarbeitet, haben wir immer noch keine Klarheit, ob und an wen wir unsere Stelle vergeben können", weiß Günther Wessels, FÖJ-Beauftragter beim NABU Krefeld/Viersen, über die Situation vor Ort zu berichten.

Zur Zeit ist fraglich, wieviele Stellen der NABU bei der kommenden Runde des FÖJ zur Verfügung stellt. Besonders prekär gestaltet sich die Situation der NABU-Naturtschutzstation Kranenburg (Kreis Kleve). Dort gab es bisher zwei Plätze für Absolventen des FÖJ. Durch die vom NABU kritisierten Rahmnenbedingungen können beide Plätze trotz Interessenten nicht besetzt werden. Für eine der beiden Stellen fanden die Verantwortlichen in der Station eine interessierte Abiturientin, die diese Stelle nicht antreten darf, weil es keine Bewerberinnen mit Real- oder Hauptschulabschluß auf die andere freie Stelle gab. Die Stationsleitung hat die Absicht, diese Stelle an die Interessentin als Jahrespraktikum zu vergeben; hier steht in Kürze eine Entscheidung des Vorstands an. Eine solche Entwicklung bedauert der NABU NRW außerordentlich, denn übergreifende Schulungen, die grundsätzliche Identifikation mit dem FÖJ und schließlich auch das Ansehen eines solchen Jahres können im Zuge eines Praktikums nicht geboten werden.



Gebe es andere Rahmenbedingungen, könnten sogar leicht mehr Stellen eingerichtet und besetzt werden. Deshalb knüpft der NABU an die geforderten Änderungen und der damit verbundenen Orientierung an die "Realität" die Bitte, die Stellenzahl zu verdoppeln. Der NABU erklärte sich auch dazu bereit, gemeinsam darüber zu diskutieren, wie stärkere Anreize für Haupt- und Realschüler und auch die Anbieter von FÖJ-Stellen erreicht werden könnten. "Die jetzige Regelung mit einer "von oben verordneten" Klausel hat wenig mit dem Begriff "Freiwillig" zu tun, wenn vielen Schülern in der Berufsorientierungsphase kategorisch abgesagt werden muß, obwohl Plätze zur Verfügung stehen", resümierte Josef Tumbrinck. Auch in anderen Bundesländern, in denen es eine solche Regelung nicht gibt, hegen die Träger große Bedenken gegen solche Einstellungsvorraussetzungen.

Die drei zentralen Forderungen:

  • Vergabe der FÖJ-Stellen im Verhältnis zur Bewerbungslage
  • Verdoppelung der Stellenzahl bei veränderten Rahmenbedingungen
  • Besondere Anreize für Haupt- und Realschüler als Alternative zur jetzigen Regelung


Für weitere Fragen stehen Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung:

Josef Tumbrinck, Vorsitzender NABU-Landesverband NRW, Tel.: 0251-788143, 0251-8333679
Günther Wessels, FÖJ-Beauftragter NABU Krefeld/Viersen, Tel.: 02151-618700
Thorsten Wiegers, Pressesprecher, NABU Landesverband NRW, 0281-33835-14

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