|
Druckversion
Gast in heimischen Gewächshäusern
NABU: Die Federfußspinne kam als blinder Passagier nach Deutschland
Düsseldorf, 05. Februar 2003 - Immer mehr tierische Neubürger richten sich bei uns häuslich
ein. Dass Waschbären sich hier breit machen, Halsbandsittiche in einigen Großstädten Kolonien gegründet
haben und die Rotwangenschildkröte bei uns fest eingebürgert ist, ist den meisten Menschen schon bekannt.
Dass die Wollhandkrabbe und die asiatische Körbchenmuschel unsere Flüsse erobern und der Ochsenfrosch,
dort wo er vorkommt, heimischen Amphibien das Leben schwer macht, ist wahrscheinlich schon nicht mehr so geläufig.
Die Federfußspinne als Neubürger dürfte den meisten jedoch völlig unbekannt sein. Die kleine,
nur 4-6 mm große Spinne ist eine von rund 1.500 Neozoen, wie man tierische Neubürger nennt, die es mittlerweile
in Deutschland gibt, so der Spinnenexperte des NABU NRW, Dr. Martin Kreuels.
Dabei ist die Federfußspinne nicht besonders an die hier herrschenden Bedingungen angepasst. Sie ist eine
typische Vertreterin der tropischen Spinnenfauna. Von dort ist sie in den Mittelmeerraum verschleppt worden, wo
sie auch an Mauern und Häusern im Freiland zu finden ist. Einzelne Tiere haben es immer wieder bis nach Deutschland
geschafft, sie wurden allerdings hier nie heimisch. Erst seit ca. 1990 ist diese hübsche Spinne in ganz Deutschland
zu finden. Wahrscheinlich wurde sie über Pflanzentransporte aus den Niederlanden in die heimischen Gewächshäuser
importiert, wo sie sich nun ganzjährig aufhält und fortpflanzt. Manchmal gelangt sie auch durch Pflanzeneinkäufe
in die heimische Wohnung.
Ob die Federfußspinne, die auch Kräuselradnetzspinne genannt wird, ein Gewächshaus besiedelt hat,
lässt sich an den engmaschigen waagerechten Radnetzen erkennen, die sie unter Lampen oder Tischen baut. Ihr
Netz ist von mehreren Stabilimenten durchzogen. Diese zickzackförmigen Linien aus vielen dicht beieinanderliegenden
Fäden verleihen dem Netz wahrscheinlich zusätzliche Stabilität. Die Spinne sitzt unterhalb der Narbe,
also dem Zentrum des Netzes, mit dem "Bauch" nach oben. Am Rande des Netzes ist häufig der Kokon
dieser Art zu finden, der etwa die doppelte Länge des Spinnenkörpers einnimmt und eine weißliche
Färbung aufweist. Die Farbe der Tiere selbst variiert sehr stark, so dass es gelbe bis dunkelbraune oder scheckige
Exemplare gibt. "Charakteristikum und namensgebendes Element ist ein Haarbüschel im vorderen Drittel
der verlängerten Vorderbeine", so Kreuels. Die Funktion dieses Haarbüschels sei aber nicht geklärt.
Als Nahrung dienen vor allem kleine Fliegen, wie sie in Gewächshäusern üblich sind. "Das Gift
der Spinne ist übrigens für den Menschen völlig ungefährlich, da diese zarte Spinne die menschliche
Haut nicht durchbeißen kann", versichert der NABU-Spinnenexperte.
Die Federfußspinne hat in Deutschland eine freilebende Verwandte, die Dreiecksspinne. Diese Spinne lebt im
Mittelgebirge und baut typische dreieckige Netze. Die Fangmethode dieser beiden Arten unterscheidet sich deutlich
voneinander. Baut die Federfußspinne kreisförmige Radnetze, in denen sich die Beutetiere verfangen,
lässt die Dreiecksspinne ihr Netz über der Beute zusammenfallen, so dass diese sich nicht mehr befreien
kann.
Rückfragen:
Dr. Martin Kreuels, Tel: 02533/933545, Handy: 0171/5075943, , E-Mail: info@aradet.de
Birgit Königs, Pressestelle NABU NRW Tel.: 0211-15 92 51-14
Herausgeber: Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Nordrhein-Westfalen,
Birgit Königs (Pressesprecherin), Merowinger Straße 88, 40225 Düsseldorf, Tel: 0211/159251-14
|