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| NABU-Beobachtungstipp für Januar: Die Zitterspinne - ein heimlicher Untermieter Düsseldorf, den 09.01.2003 - Spinnen beobachten im Winter - nichts leichter als das. Denn die Spinnenarten, die nicht geschützt als Ei im Boden oder in einem Kokon überwintern, verkriechen sich in wind- und kälteabweisende Ritzen, Spalten und Löcher. Einige heimische Spinnen, wie auch die Zitterspinne, bevorzugen dabei als Rückzugsort menschliche Behausungen. Kein Haus, keine Wohnung oder Keller, in der sich nicht in einer Ecke ein Exemplar der Gattung Pholcus phalangioides, so der wissenschaftliche Name des zarten Spinnentieres, finden ließe. "Damit ist die Zitterspinne das ideale Beobachtungsobjekt für den kältesten Monat des Jahres", so Dr. Martin Kreuels, Spinnenexperte des NABU NRW. Obwohl sie also fast regelmäßig als Untermieter anzutreffen ist, fällt sie nicht sehr auf. Häufig bemerkt man die Zitterspinne erst, wenn man zufällig ihr Netz berührt: Sie beginnt zu zittern! " Dadurch verschwinden die Umrisse der Spinne und der potenzielle Räuber, in diesem Falle der Mensch, wird in der Beutefanghandlung gestört und lässt von der Beute ab", erklärt Dr. Kreuels das namengebende Verhalten dieses Spinnentieres. Öfter noch als die Spinne selbst fallen allerdings ihre großflächigen Netze auf, vor allem, wenn sie verlassen und nach einiger Zeit verstaubt sind. Die Große Zitterspinne ist ein Kosmopolit, dessen eigentliche Herkunft noch nicht geklärt ist. "In Europa kommt sie vor allem in den südlichen Teilen vor", so der NABU-Spinnenexperte weiter. Von dort habe sie sich nach Norden hin ausgebreitet und sei heute in fast jedem Haus zu finden. Die Art könne bis 3 Jahre alt werden und sei ganzjährig mit geschlechtsreifen Tieren vertreten. Der Körper der Zitterspinne ist eher klein (0,7-1,0 cm), grauweiß und an einigen Stellen durchsichtig erscheinend. Im Gegensatz zum Körper können die charakteristischen Beine bis zu 5 cm lang werden. "Trotz der imponierenden Beinspannweite sind Zitterspinnen für den Menschen völlig ungefährlich", versichert Kreuels. Männchen und Weibchen lassen sich im geschlechtsreifen Zustand leicht auseinanderhalten: Die Männchen verfügen an ihren Tastern über große Geschlechtsorgane. Diese trägt die Spinne wie Boxhandschuhe am Kopfende. Den Weibchen hingegen fehlen diese Organe. Sie weisen lediglich dünne, beinartige Taster auf. Weibchen können kurz vor der Eiablage einen großen Hinterleib aufweisen, wobei dieser mit Eiern prall gefüllt ist. Nach der Eiablage verpackt die weibliche Zitterspinne rund 20 Eier in einen hauchdünnen Seidenkokon und trägt diesen in ihren Fängen mit sich herum. Wenn die Jungspinnen schlüpfen, verbleiben sie noch einige Zeit in einem Knäuel aus langen Beinen und zarten durchsichtigen Körpern im Kokon. Später weben sie ihr eigenes kleines Fangnetz und sind auf sich selbst gestellt. Wie kann die zarte Zitterspinne mit Erfolg Beutetiere fangen, die zum Teil wesentlich größer sind als sie selbst? "Zum einen gibt es innerhalb des Netzes sogenannte Schraubfäden, die dem Faden eine zusätzliche Elastizität verleihen und bei Berührung wie Fußangeln wirken, das Opfer also festhalten", erläutert der NABU-Spinnenfachmann die Fangtechnik. Zum anderen schießt die Spinne blitzschnell zu einem Beutetier und wickelt es mit Hilfe ihrer langen Hinterbeine ein, indem sie Fäden aus den Spinnwarzen herauszieht und diese über die Beute wirft. Im nächsten Schritt wird die Beute ein Stück weit herangezogen und in Rotation versetzt und dabei weiter eingesponnen. Kann die Beute sich nicht mehr bewegen, wird sie gebissen und ausgesaugt. "Da unter anderem Mücken und Fliegen auf dem Speiseplan der Zitterspinnen stehen, sollte man dem Spinnentier ruhig als Nützling einige Ecken in Haus oder Wohnung überlassen", schlägt Kreuels vor. Sorge vor einer Spinnenüberbevölkerung brauche sich trotzdem keiner zu machen, da Spinnen nicht wählerisch seien und schon mal Verwandte verspeisen würden. Zitterspinnen werden häufig mit den ähnlich langbeinigen Weberknechten verwechselt. Letztere besitzen keine Spinndrüsen - damit auch keine Netze - und sind öfter an sonnigen Hauswänden oder im Garten anzutreffen. Neben eher unscheinbaren Unterschieden kann man die Zitterspinnen auch daran erkennen, dass sie im Gegensatz zu einem Weberknecht einen deutlich zweigeteilten Körper besitzen. Außer der hier genannten häufigen "Großen Zitterspinne", gibt es noch einige weitere Arten, die sich sicher nur anhand der Geschlechtsorgane unterscheiden lassen. Rückfragen: Dr. Martin Kreuels, Tel: 02533/933545, Handy: 0171/5075943, , E-Mail: info@aradet.de Birgit Königs, Pressestelle NABU NRW Tel.: 0211-15 92 51-14 Im Internet zu finden unter http://www.nabu-nrw.de |
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