Nordrhein-Westfalen.NABU.de Themen Nationalparke Eifel Hintergrund
Nationalpark Eifel
Nationalpark Eifel
Der erste Nationalpark in Nordrhein-Westfalen
Der angekündigte Abzug der belgischen Truppen vom Truppenübungsplatz Vogelsang im Jahr 2005 machte den Weg frei, die schon seit langem vorgesehene Einrichtung eines Nationalparkes in der Rureifel zu realisieren. Auf rund 11.000 Hektar Landes- und Bundesfläche ist zum 1.Januar 2004 zwischen Schleiden, Monschau und Nideggen der erste Nationalpark in Nordrhein-Westfalen entstanden. Am 11. Januar 2004 feierten alle an der Umsetzung beteiligten Verbände, Institutionen, Behörden, Gemeinden und die Bevölkerung in einem großen Bürgerfest die offizielle Eröffnung des Nationalparkes Eifel.
Auf den von atlantisch getöntem Kima und nährstoffarmem, saurem Boden geprägten Standorten des Nationalparks Eifel werden ganz überwiegend Buchenwälder wachsen. Zu den 7000 Hektar Staatswald mit den großen Waldbereichen Kermeter, Dedenborn, Hetzingen und Wahlerscheid kommen die rund 4.000 Hektar großen zur Nutzungsumwandlung anstehenden Flächen des Truppenübungsplatz Vogelsang hinzu.
Typische Lebensräume
Rund fünf Prozent der Fläche des Truppenübungsplatzes werden von Buchen-, Schlucht-, Hang- und Auenwäldern sowie Fließgewässern und Felsen (in naturnaher Ausprägung) eingenommen, also von Biotoptypen, die für die Eifeler Naturlandschaft charakteristisch sind. Hinzu kommen vorwiegend aus ehemaligen Niederwäldern hervorgegangene eichengeprägte Laubwälder auf einem Fünftel der Fläche, ferner befinden sich auf 1,2 Prozent der Fläche relativ kleinflächige aus Naturschutzsicht wertvolle Kulturbiotope wie beispielsweise artenreiches Grünland als FFH-Lebensraumtyp und Ginsterheiden.
Die FFH-Gebiete Kermeter, Dedenborn und Meuchelberg sowie die Waldgebiete Hetzingen und Wahlerscheid bestehen zu rund 30 Prozent aus naturnahen Wäldern wie den für den Großraum typischen Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwäldern, Schlucht- und Hang- sowie Erlen-Eschen-Wäldern. Weitere 29 Prozent sind eichendominierte Wälder (überwiegend durchgewachsene, ehemalige Niederwälder, aber auch wärmegetönte Trauben-Eichenwälder und – seltener – Elsbeeren-Eichen-Hainbuchenwälder). Hinzu kommen auch hier weitere Elemente der Naturlandschaft wie Bäche und Felsen; bei den restlichen 41 Prozent handelt es sich überwiegend um nadelholzdominierte Forsten.
Bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Die verschiedenen naturraumtypischen Lebensräume sind Heimat zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. 32 Tier- und 82 Pflanzenarten der Roten Liste finden hier eine Heimat. Neben der Wildkatze, die hier in NRW einen Verbreitungspunkt hat, finden sich an bedrohten Säugetieren Biber sowie die Fledermausarten Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Kleine Bartfledermaus und das Braune Langohr. Zahlreiche bedrohte Vogelarten wie Uhu, Rauhfusskauz, Fischadler, Schwarz- und Rotmilan, Wespenbussard, Schwarzspecht, Mittelspecht, Flussuferläufer, Neuntöter, Baum und Wiesenpieper kommen hier vor. Die Vorkommen von Mauereidechse und Schlingnatter als Vertreter bedrohter Reptilienarten, Kreuz- und Geburtshelferkröte als gefährdete Amphibien sowie Warzenbeißer und Goldschrecke als Vertreter der bedrohten Heuschrecken weisen auf die Bedeutung dieses Gebietes für den Artenschutz hin. Wenn auch nicht bedroht, so wird dem Rothirsch im Nationalpark besondere Beachtung geschenkt.
Die vielfältige Vegetation beherbergt zahlreiche bedrohte Pflanzenarten: An Felsstandorten findet sich das Mauergipskraut. Die für Schluchtwälder typische Hirschzunge findet sich hier noch. Wildbirne, Elsbeere und Bergulme bereichern die Gehoelze der zukünftigen Nationalparkfläche. Weitere bedrohte Arten, die sich hier finden, sind unter anderem: die Astlose Grasnelke, das Gefleckte und Breitblättrige Knabenkraut, die Rauhe Nelke, Gelbe Moorlilie, Gelbe Narzisse, Keulen- und Tannenbärlapp sowie die Bärwurz seien hier beispielhaft genannt.
Forderungen des NABU
Mit In-Kraft-Treten der Nationalparkverordnung werden die für die Naturlandschaft der Eifel charakteristischen Lebensräume von Laubwäldern, Quellgebieten, Bachtälern und Offenlandflächen besonders geschützt. Da es sich um einen Nationalpark der Kategorie II nach den Kriterien der IUCN handelt sind große Flächen für den Prozessschutz vorgesehen. Das heißt, bereits heute naturnahe Buchenwaldbestände bleiben seit dem 1. Januar 2004 sich selber überlassen; andere Bereiche wie die zurzeit noch vorkommenden Fichtenforste im Nationalparkgebiet werden nach einer Umbauphase von maximal 30 Jahren in den Prozessschutz entlassen; dann sollen mindestens 75 Prozent der Fläche nicht mehr genutzt oder gepflegt werden. Das bestehende Wegenetz genießt bis zur Erarbeitung eines Wegeplans Bestandsschutz. Der Urftsee ist Bestandteil des Nationalpark-Geländes. Damit sind wesentliche Forderungen des NABU in der Nationalparkverordnung umgesetzt worden. Doch vieles bleibt noch zu tun.
Forderungen des NABU für die Umsetzungsphase der Nationalparkverordnung
zügige Erarbeitung des Nationalparkplanes unter Beteiligung der Naturschutzverbände
nationalparkgerechte Überarbeitung der Konversionspläne zur zukünftigen Nutzung der Burg Vogelsang und Einbindung des Burggeländes in den Nationalpark
zügige Umsetzung der notwendigen Entwicklungsmaßnahmen innerhalb der geplanten Kernzone
aktive Förderung eines naturverträglichen Tourismus in der Region
Wo der NABU mitarbeitet
Seit im März 2003 der Auftrag, ein Nationalparkkonzept innerhalb von einem Jahr zu entwickeln, an die Bezirksregierung ergangen war, war der NABU durch die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen Naturschutz, Tourismus sowie Forschung und Bildung beteiligt. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden an die sogenannte Lenkungsgruppe weitergegeben. In dieser Lenkungsgruppe waren alle anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND und LNU gemeinsam vertreten. In der Koordinierungsgruppe vertrat Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU, alle drei Verbände.
Darüber hinaus ist der NABU Mitglied im Förderverein „Nationalpark Eifel“, der sich im März 2003 unter dem Vorsitz des Kölner Regierungspräsidenten Roters gegründet hat. Künftig werden die anerkannten Naturschutzverbände in der Nationalpark-Arbeitsgruppe mit einem gemeinsamen Vertreter auf alle Planungen und Maßnahmen bezüglich des Nationalparkes Einfluss nehmen.
Vor Ort unterstützt der NABU die von der Natur- und Umweltschutz-Akademie (NUA) und dem Nationalparkamt Schleiden angebotene Ausbildung zum/zur zertifizierten Natur- und LandschaftsführerIn und bietet selbst einen umfangreichen Veranstaltungskalender in der Region an. So können Naturfreunde die einzigartigen Lebensräume und Naturschätze im Nationalpark Eifel auch unter fachkundiger Führung des NABU kennenlernen. Ob balzende Uhus im Februar, blühende Narzissenwiesen im April oder schattige Buchenwälder im Hochsommer, im NABU-Veranstaltungskalender findet sich für jeden Geschmack etwas.
Veranstaltungstipps
Naturbegegnungen in der Eifel
Wer die einzigartigen Lebensräume mit seinen Tiere und Pflanzen im Nationalpark Eifel kennen lernen möchte, der ist beim NABU genau richtig: Im NABU-Veranstaltungskalender kann man aus über 30 Naturerlebnis-Angeboten das Passende auswählen.
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