Weidetiere fördern Artenvielfalt – und helfen mit beim Klimaschutz
Art und Weise der Haltung entscheidend
11. September 2026 - Rund 60 Fachleute aus Naturschutz, Landwirtschaft und Verwaltung folgten heute der Einladung des NABU NRW zur Weidetier‑Fachtagung in Hamminkeln. Ihr gemeinsames Anliegen: Wie kann extensive Weidehaltung wieder gestärkt werden – als Schlüssel für artenreiches Grünland und wirksamen Klimaschutz?
Fakt ist: Extensiv genutztes Grünland zählt zu den artenreichsten Lebensräumen Europas, bietet Pflanzen, Insekten und Vögeln wertvollen Lebensraum und speichert außerdem große Mengen CO₂ im Boden. Trotzdem stehen immer weniger Rinder, Schafe und Ziegen auf der Weide und wertvolles Grünland geht verloren. Die artenreichen Weidelandschaften der NABU-Naturschutzstation Münsterland, die auf der Tagung vorgestellt wurden zeigen, wie sich mit wenigen Tieren, robusten Rassen auf großflächig eingezäuntem Grünland, artenreiche „Weidelandschaften“ entwickeln lassen. Auch in der Dingdener Heide steht Natur mit vielfältigen Strukturen wie Gehölzen, hoch- und niedrigwüchsiger Vegetation, offenen Bodenstellen und Kleingewässern im Fokus.
Im Projekt „KlimaWeiden“ arbeitet die NABU-Naturschutzstation Niederrhein gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben als eines von fünf bundesweiten Modellprojekten der Deutschen Anpassungsstrategie Klima daran, wie Feuchtgrünland durch Beweidung gegenüber dem voranschreitenden Klimawandel widerstandsfähig gemacht werden kann. „Betriebe, bei denen die Produktion von Milch und Fleisch im Fokus stehen, liefern Beispiele wie mit einem klugen Management resiliente Böden hergestellt und diese so zur Erhaltung einer arten- und strukturreichen Kulturlandschaft beitragen können“, erklärte Eva Lisges, Referentin für Naturschutz und Landwirtschaft beim NABU NRW. Gerade dort, wo Naturschutz und Landnutzung zusammenkommen, brauche es kooperative Ansätze und naturverträgliche Bewirtschaftungssysteme, die messbare Beiträge zur Zielerreichung der Wiederherstellungsverordnung und der EU-Klimaziele leisten. „Voraussetzung sei allerdings eine faire Honorierung dieser Leistungen“, so Lisges weiter.
Denn extensive Weiden leisten weit mehr als Artenschutz: Sie speichern mehr CO₂ als Ackerflächen, erhalten seltene Nutztierrassen und prägen attraktive Landschaftsbilder. Nicht zuletzt sind gesunde Ökosysteme sowohl Lebensgrundlage der Menschen als auch wirtschaftliche Basis der Landwirtschaft. Die extensive Weidetierhaltung mit ihren vielfältigen positiven ökologischen Effekten ist deshalb ein wichtiger Baustein im Rahmen der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung (W-VO) zur Erreichung der Ziele für Agrarökosysteme. Dazu gehört beispielsweise, Bestäuberpopulationen, Feldvögel und andere gefährdete Arten unserer Agrarlandschaften wieder zu stärken.
Der NABU NRW ruft deshalb dazu auf, die W-VO konsequent zu nutzen, um das Grünland und seine vielfältigen Leistungen durch extensive Weidetierhaltung zu erhalten und wiederherzustellen. „Dazu braucht es zwingend eine gute finanzielle Ausstattung der Agrarnaturschutz-Förderprogramme, insbesondere des Vertragsnaturschutzes. In der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) ab 2028 muss zudem ein ausreichendes Mindestbudget für Agrarnaturschutz verbindlich festgeschrieben werden“, machte Susanne Wangert, stellvertretende Vorsitzende und Agrarexpertin des NABU NRW deutlich.
Mehr zur Wiederherstellung von extensivem Grünland im NABU NRW Hintergrundpapier zur Wiederherstellungsverordnung.
