Die Flussuferwolfspinne
Eine seltene Spinne am Rhein
Flussuferwolfspinne - Foto: Dietrich Cerff
Arctosa cinerea, wie sie wissenschaftlich genannt wird, ist nicht nur Deutschlands größte Wolfspinne, sondern auch eine von nur sechs Spinnenarten die laut Bundesartenschutzverordnung streng geschützt sind. Dieser besondere Schutz ist wichtig, denn die Spinne ist selten geworden und in vielen Teilen Deutschlands bereits verschwunden. Ursprünglich lebte sie weit verbreitet an naturnahen Kies- und Sandufern von Flüssen und Seen.
Solch dynamische Fluss- und Seenlandschaften sind weitestgehend aus unserem industrialisierten Land verschwunden. In NRW gibt es nur wenige Nachweise, die meisten liegen entlang des Rheins. Zusammen mit vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten sind natürliche Rheinauen ein wichtiger Lebensraum für die Flussuferwolfspinne. In Wassernähe baut die circa 1,5 cm große Spinne ihre Wohnröhren in den Sand, oft versteckt unter großen Steinen oder Treibholz.
Sichtungen der seltenen Spinnenart gab es in der Vergangenheit entlang des Rheins im Kreis Kleve. So konnten im Naturschutzgebiet Emmericher Ward 2017 mehrere Individuen fotografiert werden. Ältere Funde gibt es aus Rees. In den letzten Jahren gab es vermehrt Funde auf der niederländischen Seite der Grenze entlang des Rhein/Waal-Ufers. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Besiedlung flussabwärts aus der Emmericher Ward oder aus Rees stattgefunden hat. Es bleibt spannend, ob diese schönen Tiere in den nächsten Jahren für den Kreis Kleve wieder nachgewiesen werden können. Dabei können Citizen Science Plattformen eine wichtige Rolle spielen.
Fakten zur Lebensweise
- Die Spinne verbringt den Tag in ihrer Wohnröhre im sandigen Untergrund und geht nachts auf Beutezug.
- Sie ist perfekt an einen so dynamischen Lebensraum, wie vegetationsfreie Kies- und Sandufer von Flüssen und Meeren sie darstellen, angepasst: So kann sie Überschwemmungen überstehen, indem sie im Sommer ihre Wohnröhre verschließt und in der bestehenden Luftblase überlebt. Zur Winterruhe im Dezember wird zum Schutz vor Überschwemmungen eine neue Höhle weiter weg vom Ufer in etwas höher gelegenen Bereichen angelegt.
- Wusstet ihr, dass die weiblichen Flussuferwolfspinnen ihren Ei-Kokon an den Spinnwarzen mit sich herumtragen bis der Nachwuchs schlüpft? Nach dem Schlupf klettern die Jungspinnen dann sogar auf den Rücken ihrer Mutter und lassen sich noch einige Tage Huckepack tragen bis sie selbstständig auf die Jagd gehen.
Daniela Kupschus
NABU-Naturschutzstation Niederrhein
Das Unmögliche Interview: Spinne ich? Ist das ein Wolf?
Hallo, Herr Wolf? Sind Sie da?
Ja, hier. Hier unten!
Ähm, Entschuldigung, ich bin hier mit einem Wolf verabredet
... einem „Uferwühlwolf“, um genau zu sein. Das bin ich! Ich heiße auch Flussuferwolfspinne, das ist weniger missverständlich. Mit dem Europäischen Grauwolf habe ich allerdings wenig gemeinsam.
Oh, dann habe ich die falschen Fragen vorbereitet.
Sie sind ja ein Dussel. Vielleicht hätten Sie im Biologieunterricht mal aufpassen sollen, statt heimlich das Märchen von Rotkäppchen zu lesen.
Naja, es hilft nichts. Ich stelle meine Fragen trotzdem. Also: Sie erbeuten ja vor allem Rehe und andere Wildtiere. Warum reißen Sie auch Schafe und Ziegen?
Das tue ich nicht! Ich bin zwar ein Jäger, erbeute aber vor allem Laufkäfer, Heuschrecken und Fliegenlarven. Und bevor Sie fragen: Für Menschen bin ich völlig ungefährlich.
Sie verlassen sich bei der Jagd auf den Überraschungseffekt und Ihre Schnelligkeit? Und Sie jagen im Team?
Das stimmt nur zum Teil. Ja, ich lauere gut getarnt auf Beute und packe blitzschnell zu. Und ich bin sehr kräftig. Aber ich bin Einzelkämpfer und nicht in Gruppen unterwegs. Übrigens bauen wir Wolfsspinnen keine Netze. Das haben wir gar nicht nötig!
Seit Jahren nehmen Ihre Bestände in Deutschland zu. Sind die Lebensräume also ideal hier?
Das ist Quatsch, wir werden eher immer weniger. In vielen Landesteilen sind wir bereits ausgestorben und daher streng geschützt. Hier in der Emmericher Ward gibt es uns noch, aber von idealen Lebensräumen kann in vielen Gegenden keine Rede sein.
Welche Lebensräume brauchen Sie denn? Wilde Wälder?
Wir leben am Wasser! Und zwar an vegetationsfreien Kies- und Sandufern von Flüssen und Seen sowie an Meeresufern. Da bauen wir unsere Wohnröhren in den Boden. Daher kommt ja auch unser Name. An diesen hochdynamischen Lebensraum haben wir uns prima angepasst. Wir können Überschwemmungen überstehen, indem wir unsere Wohnröhre verschließen und dann in einer Luftblase überleben. Clever, oder?
Ah ja, verstehe. Bekannt sind Wölfe ja auch für ihre hoch entwickelte Sozialstruktur. Sie leben in Rudeln?
Aber nein. Wir sind nicht nur bei der Jagd, sondern auch sonst Einzelgänger. Ok, zur Paarung treffen wir uns natürlich. Aber apropos sozial: Unsere Weibchen sind zum Glück etwas sozialer eingestellt als viele andere Spinnen. Sie fressen uns Männchen nach dem Sex nicht auf. Das finde ich sympathisch.
Man nennt Sie ja auch Graupelz ...
Tut man das? Also einen Pelz haben wir nicht, auch wenn wir ziemlich haarig sind. Aber grau sind wir, das stimmt. Damit sind wir im Kies hervorragend getarnt.
Auch wenn Sie in einer Gegend vorkommen, werden Sie nur selten gesichtet. Sind Sie menschenscheu?
Nein, eigentlich nicht. Aber wir sind eben nicht nur gut getarnt, sondern mit 1,5 Zentimetern Körperlänge – plus Beine! – auch leicht zu übersehen. Obwohl wir unter den heimischen Spinnen sicherlich zu den Riesen gehören.
Menschen gehören nicht in Ihr Beutespektrum?
Nein. Das zumindest haben wir mit unseren Namensvettern gemeinsam. Menschen sind ein ganz klein wenig zu groß für uns. Seltsamerweise haben viele Menschen trotzdem Angst vor uns. Das ist mir ein Rätsel. Wir tun doch nichts! Vielleicht liegt es an unseren acht Beinen. Aber mal ganz ehrlich: Ich finde zwei Beine viel gruseliger! Brrrr ...
Hannes Huber
aus Naturschutz in NRW 3/2026
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