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NSG Großes Torfmoor
Das Große Torfmoor ...
... ein Paradies für Vögel der Hoch- und Niedermoore
Langjährige Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen des NABU Minden-Lübbecke haben nahe Nettelstedt eine weite, fast baumlose Hochmoorlandschaft entstehen lassen. Dem Besucher eröffnen sich, wenn er von Süden her über den zentralen Damm dem seit Jahren bestehenden Aussichtsturm zustrebt, in westlicher Richtung große Freiwasserflächen, die bis in das verbliebene Hochmoorgebiet hineinreichen. Die weite Wasserlandschaft konnte sich erst entwickeln, als in den 80er Jahren mehrere Dämme gebaut wurden. Die alten Entwässerungsgräben - zum Teil erst in den 50er Jahren gezogen - stauten sich auf und führten zu einer langsamen Wiedervernässung der höher gelegenen Torfrücken. Restbestände von hochmoortypischen Pflanzen konnten sich langsam wieder ausbreiten.
Flora und Fauna
Ein Blick über die weite, beinahe strauchlose Hochmoorfläche lässt kaum erahnen, wie groß der Artenreichtum ist. Großflächig breiten sich in den abgegrabenen Senken Spießtorfmoosflächen aus. Immerhin sind hier 13 unterschiedliche Torfmoosarten anzutreffen. Moosbeere und Rosmarienheide sind in den feuchten Bereichen in Verbindung mit Sonnentau, Glockenheide, Scheidenwollgras und Weißen Schnabelried flächig vertreten. Schmalblättriges Wollgras besiedelt die Ränder angestauter Abgrabungen. Sogar auf den höher gelegenen Torfrücken/Bänken sind deutliche Veränderungen in Richtung regenerierendes Hochmoor zu erkennen.
Im Bereich der Freiwasserflächen hat sich eine kleine Lachmöwenkolonie etabliert. Neben dem Zwergtaucher hat hier der seltene Schwarzhalstaucher eine Nische gefunden. Aus dem angrenzenden Kernbereich des Hochmoores ertönt im Frühjahr der Flötenruf des Brachvogels. Zahlreiche Bekassinen und Krickenten sind weitere Bewohner. Hinzu kommen im gesamten Moorgebiet, einschließlich des Niedermoores mit den angrenzenden Feuchtwiesen noch ein weiteres Dutzend Vogelarten, die teilweise auf der Roten Liste NRW stehen, wie Wasserrallen, Teich- und Bläßrallen, Graugans, Nilgans, Reiherente, Feldschwirl, Rohrammer, Wachtelkönig und Blaukehlchen. Teichrohrsänger schnarren in den umfangreichen Schilfbeständen und sind vom Wanderweg aus gut zu beobachten.
In den südlich angrenzenden Bruchwäldern horsten Habicht, Wespenbussard und Baumfalke. Mehrere Paare Pirole und Nachtigallen beleben den teilweise undurchdringbaren Randgürtel des Niedermoores. An den größeren Bädertorf-Abgrabungen stellen sich regelmäßig Graureiher und Kormorane ein. Im Frühjahr und Herbst erscheinen Sumpfohreulen als Durchzügler und als Nahrungsgäste, im Zentralbereich des Moores. Anfang Mai eines jeden Jahres geben die Trauerseeschwalben ein kurzes Gastspiel, um nach wenigen Tagen in östliche Regionen weiter zu ziehen. Um die Jahrhundertwende wird noch von Bruten der Trauerseeschwalbe berichtet.
Der Kreis Minden-Lübbecke ist in Westfalen für seine Störche bekannt. Die extensiv genutzten Feuchtwiesen, im Umfeld des Großen Torfmoores, bieten ausreichend Nahrung zur Aufzucht der Jungstörche. Gelegentlich wird sogar das Hochmoor aufgesucht, insbesondere wenn die Teichfrösche im Juni aktiv sind. Neben dem allerorts beheimateten Teichfrosch ist das Vorkommen des Moorfrosches mit der vermutlich größten Population in Westfalen erwähnenswert.
Vieles bleibt zu tun
Trotz der erreichten Verbesserungen besteht weiterhin Handlungsbedarf, um das Große Torfmoor und seine Artenvielfalt zu erhalten. Die Gewässer im Moor haben je nach den jahreszeitlichen Niederschlägen über das bestehende Entwässerungssystem noch immer eine Verbindung zur Bastau. Die Bastau ist ein naturfern ausgebautes Fließgewässer mit in einigen Teilbereichen dichtem Fischbesatz. Eine Renaturierung der Bastau von der Quelle, südlich des NABU Moorschutzhofes in Lübbecke-Nettelstedt, bis an den Stadtrand von Minden ist aus ökologischen und aus Hochwasserschutzgründen zwingend notwendig.
Weiße Hornlose Schnucken, werden seit drei Jahren zur Landschaft- und Biotoppflege eingesetzt. Diese gegen Nässe unempfindliche Schnuckenrasse ist anderen Rassen in diesem Gebiet überlegen, da sie auch die bitter schmeckenden Jungtriebe der Moor- und Sandbirke fressen. Der Erfolg einer Beweidung hängt aber von deren Intensität und einer geschickten Herdenführung durch den Schäfer ab. Im Jahr 2004 wird die Herde des NABU Moorschutzhofes am Rande des Großen Torfmoores voraussichtlich die notwendige Bestandsgröße erreichen. In der Hauptweidezeit sollen um die 1000 fressende Mäuler den Birkenbestand und die Pfeifengrasflächen (Molinia) kurz halten.
Das neuste Projekt ist das vom NABU Minden-Lübbecke auf den Weg gebrachte und von der EU Kommission genehmigte LIFE Natura Programm. Hierdurch erhoffen sich die Moorschützer eine positive Entwicklung für das Moor. Aber auch Besuchern werden durch dieses Projekt interessante Einblicke in die Entwicklung eines Moores gegeben. So will der NABU in einem Informations- und Besucherzentrum beispielsweise ein "Moormuseum" einrichten, das über frühere Nutzungsformen aufklären und Moor zum Anfassen bieten soll. Ein Hof als mögliches Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Moor wurde bereits gefunden.
Zum Ende des Projektes werden außerdem mehrere Beobachtungstürme für Wetter unabhängige Beobachtungen zur Verfügung stehen. Kinder und Erwachsene erhalten so vielfältige Möglichkeiten, diese Landschaft in all ihrer Schönheit zu erleben.
Ausführlichere Infos zum Großen Torfmoor gibt es auf der Homepage des NABU MInden-Lübbecke

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