Nordrhein-Westfalen.NABU.de Themen Jagd Greifvögel Illegale Greifvogelverfolgung Was ist zu tun?

Erkennen, Bekämpfen, Verhindern

Erkennen, Bekämpfen, Verhindern

Vogelschützer stellen Leitfaden mit Tipps für Bürger, Ermittlungsbeamte und Behörden vor

15. November 2010 - Viele Greifvogelarten sind im Bestand bedroht und stehen seit Jahren auf den Roten Listen der in Deutschland gefährdeten Tierarten. Ein Grund dafür sind die Auswirkungen illegaler Verfolgungen durch den Menschen, die das Überleben vieler Arten bei uns nachhaltig gefährden. Um die durch illegale Vergiftungsaktionen, Fang und Abschuss verursachten Verluste effektiv zu bekämpfen, ist eine konsequente Verfolgung dieser Straftaten von entscheidender Bedeutung. Die nun vom Komitee gegen den Vogelmord, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) und dem NABU mit Unterstützung des Landesumweltministeriums herausgegebene Broschüre richtet sich einerseits als eine Art „Erkennungshandbuch“ an Vogelschützer und Zeugen von Greifvogelverfolgungen. Anderseits soll sie als Leitfaden für Ermittlungsbeamte dienen, die mit der Aufklärung derartiger Fälle beauftragt sind.

Als Konkurrenten um Jagdbeute und angebliche Gefahr für Haus und Nutztiere, insbesondere Tauben und Geflügel, werden Greifvögel und Eulen seit Jahrhunderten von Menschen verfolgt. Noch bis in die 1960er Jahre war der Abschuss von Bussarden, Habichten, Weihen und Eulen weit verbreitet. So weist die offizielle Jagdstatistik zwischen 1935 und 1939 fast 550.000 geschossene Greifvögel und Eulen aus. Auf Druck der Vogelschutzverbände wurde die Jagd auf Greifvögel in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst eingeschränkt und angesichts dramatisch zurückgehender Bestände 1970 schließlich bundesweit ganz verboten. Heute haben sich die Bestände einiger Arten wie Wanderfalke und Sperber dank der Einführung einer ganzjährigen Schonzeit, dem Verbot von DDT und anderen gefährlichen Pestiziden sowie wirksamer Schutzmaßnahmen in den Brutgebieten wieder erholt. Andere Arten wie Schreiadler, Wespenbussard und Rotmilan sind weiterhin akut gefährdet und stehen auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Tierarten.

Kornweihe_Heinsberg_2008

Dieses Kornweihenmännchen wurde von Unbekannten mit einer Schrotflinte getötet (Kreis Heinsberg, Februar 2008).

Situation in NRW
Obwohl alle Greifvogelarten seit den 70er Jahren unter strengem Schutz stehen, werden alljährlich zahlreiche Fälle von illegaler Verfolgung bekannt. In den letzten Jahren wurde durch das nordrhein-westfälische Umweltministerium sogar eine kontinuierliche Zunahme der gemeldeten Fälle von Greifvogelverfolgung festgestellt. So sind in den Jahren 2005 bis 2009 allein in NRW mehr als 180 Fälle dokumentiert worden. Dabei sind mehr als 360 Greifvögel und Eulen gefangen,verletzt oder getötet worden. Betroffen waren 32 von 54 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW, wobei mehr als drei Viertel der Tatorte im weitgehend landwirtschaftlich geprägten Tiefland liegen. Da es sich hauptsächlich um Zufallsfunde handelt, ist nach kriminalistischer Erfahrung von einer hohen Dunkelziffer unentdeckter Taten auszugehen. Trotz strenger Schutzvorschriften ist die illegale Greifvogelverfolgung in Nordrhein-Westfalen also nach wie vor ein gravierendes Problem.

„Greifvogelverfolgung ist eine Straftat und muss konsequent verfolgt werden", so Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Zwar habe man dank des Engagements des Umweltministeriums, der Stabstelle für Umweltkriminalität, die alle ihr bekannten Fälle illegaler Greifvogelverfolgung im Auge behielte, und des engagierten Einsatzes ehrenamtlicher Vogelschützer erste Erfolge erzielen können, aber die Zahl der verfolgten Delikte sei nur die Spitze des Eisberges. „Je besser die Bevölkerung informiert ist und je mehr Verdachtsfälle zur Anzeige gebracht werden, umso deutlicher wird, welche Dimension die illegale Greifvogelverfolgung in NRW tatsächlich hat.“

Maeusebussard im Tellereisen Foto:Zopf

Mäusebussard gefangen im Tellereisen.

Seit Beginn eines landesweiten Monitorings im Jahr 2005 in Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt mehr als 230 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung registriert, allein in 2010 sind also bisher weitere 50 Fälle illegaler Verfolgung hinzugekommen. „Als Täter treten dabei immer wieder Taubenzüchter, Geflügelhalter und Jagdscheininhaber in Erscheinung“, berichtet Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord. „Greifvögel werden von einem Teil dieser Interessengruppen immer noch als Hühnerdiebe und Niederwildschädlinge betrachtet und deshalb mit allen Mitteln verfolgt“, so der Biologe.

Klaus Nottmeyer, Vorsitzender der NWO ergänzt: „Die ökologische Bedeutung der heimischen Greifvögel als Spitzen verschiedener Nahrungsketten, als 'Gesundheitspolizisten' und Aasfresser ist unbestritten und ein wesentlicher Grund für ihren Schutz, aber auch leider Anlass für jahrhundertelange gnadenlose Verfolgung und Dezimierung“. Die heutige Form der Nachstellung im Verborgenen mache den vielen ehrenamtlichen Ornithologen dabei besonders zu schaffen: So konnte im Fall einer tot aufgefundenen kompletten Rotmilan-Familie mit zwei Jungtieren diesen Sommer im Kreis Lippe nur durch schnelles Handeln als Ursache Vergiftung nachgewiesen werden. „Das dies heute noch geschieht, ist ein Skandal“, so Nottmeyer weiter. „Weil 60 Prozent des Rotmilan-Weltbestandes in Deutschland brüten, haben wir für diese Art eine besondere Verantwortung!“

Leitfaden Illegale Greifvogelverfolgung, 2. aktual. Fassung Dez. 2012


Was ist zu tun?
Die Feststellung von Greifvogelverfolgung in der freien Landschaft führt alleine leider nur selten zur Ermittlung des Täters. Um zu gewährleisten, dass alle rechtlichen Mittel zur Aufklärung ausgeschöpft werden können, sollten folgende Hinweise unbedingt beachtet werden:

  • Die Auffindesituation sollte nach Möglichkeit nicht verändert werden.

  • Auch wenn die Beweislage eindeutig ist oder nur ein Verdacht besteht sollte auf jeden Fall alles umfassend fotografisch oder mit einer Videokamera dokumentiert werden. Fallen, Köder oder Tiere sollten dabei möglichst nicht berührt werden.

  • Danach sollte zunächst so schnell wie möglich die zuständige Polizeidienststelle informiert und um Entsendung eines Streifenwagens gebeten werden (Notrufnummer 110). Die Naturschutz- und Jagdbehörden der Kreisverwaltungen sind nicht für die Aufklärung von Straftaten zuständig, können die Ermittlungen aber unter Umständen unterstützen.

  • Erklären Sie kurz und sachlich, was vorgefallen ist. Beschreiben Sie die genaue Lage des Tatortes und machen Sie möglichst einen Treffpunkt mit der Polizei in der Nähe aus.

  • Falls Sie das Gefühl haben, dass die ermittelnden Beamten zum ersten Mal mit Greifvogelverfolgung zu tun haben, oder dass keine Bereitschaft besteht, zum Auffindeort zu kommen,weisen Sie darauf hin, dass es sich bei der Verfolgung von Greifvögeln und Eulen um eine Straftat handelt, die von Amts wegen verfolgt werden muss. Die Strafprozessordnung (§ 163) verpflichtet die Polizei zu unverzüglichen Maßnahmen.

  • Gibt es möglicherweise weitere Zeugen, die im Zusammenhang mit der von Ihnen festgestellten Tat Angaben machen können? Falls ja, weisen Sie die Polizei darauf hin.

  • Fangeinrichtungen, Köder sowie tote oder verletzte Tiere sind für den Nachweis der Straftat wichtige Beweismittel, die daher auf jeden Fall von den Behörden sicherzustellen sind und untersucht werden sollten.

  • Verletzte Greifvögel sollten umgehend tierärztlich versorgt und artgerecht untergebracht werden. Eine Liste geeigneter Pflegestationen in NRW finden Sie in der Broschüre.

  • Notieren Sie sich den Namen des Polizeibeamten, der Dienststelle und die Tagebuchnummer.

  • Bei allen Fällen sollte zusätzlich auch umgehend telefonisch die Stabsstelle Umweltkriminalität in Düsseldorf (Tel. 02 11-45 66-473 oder -407) eingeschaltet und – am besten unter Angabe des Aktenzeichens bzw. der Tagebuchnummer der Polizei – über den Vorgang informiert werden.

  • Falls Sie nur einen vagen Verdacht haben und sich nicht sicher sind, ob eine Straftat vorliegt, stehen Ihnen die Experten des Komitees gegen den Vogelmord und des NABU oder der Stabsstelle mit Rat und Tat zur Seite.

  • Bei Verdacht auf Vergiftungen sollten verdächtige Köder oder tote Vögel möglichst schnell dem zuständigen Veterinäruntersuchungsamt überstellt werden. Bis dahin sollten sie kühl oder am besten tiefgefroren gelagert werden. Je früher Proben untersucht werden, desto größer ist die Chance, dass das von den Tätern verwendete Gift noch zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Achtung! Bei Kontakt mit vergifteten Tieren und Ködern immer Handschuhe verwenden.

  • Oft wird behauptet, tote Greifvögel dürften nur mit Erlaubnis des Jagdpächters aus dessen Revier entfernt werden. Dies ist bei Vorliegen eines Verdachts auf Greifvogelverfolgung nicht der Fall. Die Sicherung der Tiere als mögliches Beweismittel in einem Strafverfahren ist ein höheres Rechtsgut als das jagdliche Aneignungsrecht.


Hier können Sie Ihre Beobachtung melden:

Stabsstelle Umweltkriminalität
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
Stabsstelle Umweltkriminalität
Schwannstraße 3,40476 Düsseldorf
Tel. 02 11-45 66-473 oder -407, stabuk@mkulnv.nrw.de

Verbände:

Komitee gegen den Vogelmord
Arbeitsgruppe Greifvogelschutz
An der Ziegelei 8, 53127 Bonn
Tel. 02 28-66 55 21, axel.hirschfeld@komitee.de

NABU-Landesverband NRW
Landesgeschäftsstelle
Merowingerstraße 88, 40225 Düsseldorf-Bilk
Tel. 02 11-15 92 51-10, info@NABU-NRW.de

Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft (NWO)
Asternstraße 16, 41836 Hückelhoven-Brachelen
nottmeyer-linden@nw-ornithologen.de und Jens_Brune@gmx.de

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