Nordrhein-Westfalen.NABU.de Themen Jagd Wasservögel Die Kanadagans
Über den Großen Teich
Steckbrief Kanadagans
Branta canadensis
Schutzstatus
International
Die Kanadagans unterliegt wie alle europäischen Vogelarten dem allgemeinen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie. Sie gehört allerdings zu den Arten des Anhang II/1, die in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gejagt werden dürfen. Dabei sind allerdings die Bestimmungen des Art. 7 (s. unten) und Art. 8 (verbotene Jagdmethoden) einzuhalten.
National
Die Kanadagans gehört nach § 2 BJagdG wie fast alle Gänse- (Gattungen Anser und Branta) und Entenarten (Anatinae) zu den jagdbaren Arten.
Der NABU setzt sich aber seit vielen Jahren dafür ein, dass die Kanadagans, wie alle anderen Gänse- und Entenarten außer der Stockente, aus dem Jagdrecht entlassen und in das Naturschutzrecht übernommen werden (Jagdpolitisches Grundsatzpapier des NABU, 2001).
Jagdrecht
Bundesjagdgesetz
Nach BJagdZ-Vo vom 1977, zuletzt geändert 2002, kann die Kanadagans vom 01. November bis 15. Januar gejagt werden.
Landesjagdzeitenverordnung
Laut der Fassung vom 01.10.2002 unterlag die Kanadagans noch einer ganzjährigen Schonzeit. Mit der Änderung vom 28.11.2006 ist eine Bejagung vom 01. November bis 15. Januar vorgesehen. Von der Bejagung der Kanadagans müssen die Gebiete ausgenommen werden, in denen die nordischen Gänse rasten oder überwintern. Das sind folgende Gebiete am Niederrhein: Die Städte/Gemeinden Alpen, Bedburg-Hau, Duisburg, Emmerich, Hamminkeln, Kalkar, Kamp-Lintfort, Kleve, Kranenburg, Rees, Rheinberg, Voerde, Wesel und Xanten und in der Weseraue die Stadt Petershagen.
Das bedeut, dass Kanadagänse in diesen Gebieten in der Zeit vom 01. November bis 15. Januar nicht bejagt werden dürfen.
Jagdstrecke
2001/ 2002: 178 (davon Fallwild: 2)
2002/ 2003: 290 (davon Fallwild: 3)
2003/ 2004: 590 (davon Fallwild: 9)
2004/ 2005: 713 (davon Fallwild: 20)
2005/ 2006: 1.286 (davon Fallwild: 43)
2006/ 2007: 1.994 (davon Fallwild: 19)
2007/ 2008: 2.118 (davon Fallwild: 30)
Brutvogelbestand in NRW
Die LÖBF/NWO schätzt den Bestand hier ständig lebender Kanadagänse derzeit auf ca. 500 Brutpaare. Ihre Verbreitungsschwerpunkte haben sie am Rhein, im südlichen Regierungsbezirk Düsseldorf, in den Einzugsgebieten von Ruhr und Lippe, in Müster (Rieselfelder) und in Bergisch Gladbach (Saaler Mühlensee).
NABU-Position zur geänderten LJ-VO
Der NABU NRW kritisiert die Erweiterung der Jagdzeiten auf Kanadagänse. Die Jagd auf Kanadagänse ist damit zukünftig auch schon erlaubt, wenn der Heimzug der Gänse in ihre Brutgebiete unter Umständen schon begonnen hätte. Damit wären bei einer Rast außerhalb der Schutzgebiete auch die arktischen Wintergäste potenziell gefährdet, denn rein optisch unterscheiden sie sich nicht von den nicht ziehenden Verwandten.
Die Jagdzeit der Kanadagans im August ist zudem nach der EU-Vogelschutzrichtlinie unzulässig, da dann die Jungvögel noch nicht selbstständig sind. Nicht nur nach der EU-Vogelschutzrichtlinie dürfen Tiere während der Brutzeit (Art. 7 Abs. 4: "während der Nistzeit oder während der einzelnen Phasen der Brut- und Aufzuchtszeit") nicht bejagt werden, auch aufgrund des Tierschutzgesetzes ist die Jagd auf Alttiere, von deren Versorgung Jungvögel abhängig sind, verboten, um so unnötige Leiden und Schmerzen durch Verhungern oder erfrieren zu vermeiden.
Gleiche Vorschriften finden sich in § 22 Abs. 4 BJG und § 24 Abs. 2 LJG-NW - zudem ist ein solches Vorgehen nicht waidgerecht. Das Landsjagdrecht kann die entsprechende Vorschrift im BJG nicht aufheben, da hierzu keine Ermächtigung vorhanden ist.
Kurzporträt
Beschreibung
Die in Europa verbreitete Unterart der Kanadagans ist noch etwas größer als die Graugans. Der Kopf ist schwarz mit weißem Kehlfleck. Der Hals ist ebenfalls schwarz, Brust und Körper sind weißgrau bis leicht bräunlich. Füße und Schnabel sind schwarz. Körperlänge: 90 bis 110 cm, Gewicht: bis 5,2 kg.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich ist die Kanadagans in Nordamerika beheimatet. Das Brutgebiet ist das nördliche Nordamerika von den Aleuten bis an den Atlantik. In Europa wurde die Kanadagans durch den Menschen eingeführt. Sie ist damit eine sogenannte Neozoenart, da sie dieses Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus eigener Kraft erreicht hätte. Die ersten Gänse wurden im 17. Jahrhundert in Großbritannien eingeführt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden die Gänse auch im skandinavischen Raum (in Schweden 1929, in Norwegen 1936 und 1958) eingebürgert. Die Bestände breiten sich von dort aus auch weiter südlich nach Belgien, Niederlande und Deutschland aus.
Nahrung
Kanadagänse ernähren sich vegetarisch von jungen Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen. Da die Tiere aber häufig in der Nähe von Menschen leben, nutzen sie auch dessen Landbewirtschaftung und holen sich Getreidekörner, Maiskörner, Wintergetreide oder Raps von den Feldern.
Quellen
Die Vögel des Rheinlandes (1982)
Rheinisch-Westfälischer Jäger, Ausgabe 10-2006
Stand: Dezember 2008

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