NABU NRW feiert 60-jähriges Jubiläum
Jahrzehnte für den Schutz von Mensch und Natur
Exkursion des Vogelschutzbundes Mönchengladbach 1952 - Archiv NABU-Stadtverband Mönchengladbach
Der Deutsche Bund für Vogelschutz (DBV) wurde am 1. Februar 1899 in Stuttgart gegründet. Zu den ersten Abteilungen beziehungsweise Gruppen in Nordrhein-Westfalen gehörten unter anderen die Ortsgruppe Köln (1908), die Ortsgruppe Dortmund (1912), die Ortsgruppe Bonn (1914), die Ortsgruppe Bielefeld (1927) und auch der DBV in Mönchengladbach (1937).
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich die bestehenden rheinländischen Ortsgruppen zur Landesgruppe Nordrhein zusammen. Parallel entwickelten sich auch in Westfalen erste Naturschutzgruppen im DBV, die sich zur Landesgruppe Westfalen zusammenschlossen. Am 23. April 1966 schlossen sich die beiden Landesgruppen zum DBV-Landesverband Nordrhein-Westfalen zusammen. Erich Münzer, der zu dieser Zeit der Landesgruppe Nordrhein vorstand, wurde zum ersten Landesvorsitzenden des DBV in NRW gewählt.
1975 waren in NRW 3.219 Mitglieder in 34 DBV-Untergliederungen organisiert. Erstmals gelang es, von kommunalen Stellen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes zu erhalten. Ausdruck der engen Zusammenarbeit mit den ornithologischen Vereinen waren die Herausgabe des Ornithologischen Informationsdienstes und die gemeinsame Durchführung von Vogelschutzseminaren mit der staatlichen Vogelschutzwarte.
1976 übernahm Josef Meeger den Vorsitz im Verband. Auf dem ersten Landesjugendtreffen im März wurde ein Grundsatzprogramm verabschiedet. Der Landesjugendleiter Christian Chwallek (von 2011 bis 2023 Mitglied des Landesvorstandes) wurde aufgefordert, eine enge Zusammenarbeit mit den Jugendlichen in den Untergliederungen anzustreben.
1978 übernahm Dr. Hans Scholten für den Zeitraum bis 1988 den Landesvorsitz von Josef Meeger. Unter seiner Leitung wuchs der Verband von 7.000 auf rund 22.000 Mitglieder. Dieser enorme Mitgliederzuwachs führte zu weiteren Neugründungen von Untergliederungen in NRW. In diese Zeit fiel auch die umfassende Neustrukturierung des DBV, an der Dr. Hans Scholten in seiner Funktion als Präsident des DBV auf Bundesebene maßgeblichen Anteil hatte.
1980 erhielt der DBV anlässlich seiner Vertreterversammlung in Porta Westfalica (30. September) als erster der vier landesweit tätigen Naturschutzverbände die Anerkennung nach § 29 des Bundesnaturschutzgesetzes. Staatssekretär Dr. Ebert (Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) erläuterte damals, dass der DBV diese Anerkennung aufgrund seiner Organisation und Mitgliederzahl erhalte, die die Gewähr biete, die mit der Anerkennung verbundenen Aufgaben erfüllen zu können.
Am 20.September 1981 gründete sich in Bonn die DBV-Jugend NRW. Seit Jahresbeginn enthielt die Mitgliederzeitung „Wir und die Vögel“ einen NRW-Landesteil, die so genannten „Gelben Seiten“.
1984 nahm die erste hauptamtliche Mitarbeiterin, Jutta Wedhorn, ihre Arbeit auf – in einem Dachzimmer im Hause von Gisela und Jürgen Krügerke (Wesel), die zu dieser Zeit die Geschäftsführung im Ehrenamt wahrnahmen. Die DBV-Jugend mietete in Dinslaken Büroräume an, um ihre Jugendarbeit von dort aus zu betreiben.
Besichtigung eines Wanderfalkenbrutplatzes im Schutzgebiet Bruchhauser Steine - Foto: Archiv NABU NRW
1987 beteiligte sich der NABU NRW mit Unterstützung des Bundesverbandes an der Bundesgartenschau in Düsseldorf. Am 1. November wurde Bernhard Kamp als hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt.
Am 28. August 1988 wurde die erste Geschäftsstelle des Landesverbandes „Am Lippeglacis“ in Wesel eingeweiht. Dort fand einige Zeit später auch die heutige NAJU NRW ein neues Zuhause. Das großzügige Außengelände bot der Verbandsjugend reichlich Raum für ihre Aktivitäten.
Dr. Hans Scholten legte seinen Vorsitz auf Landesebene nieder. Als Nachfolger wurde Heinz Kowalski gewählt, der mit einem neu formierten und erweiterten Landesvorstand das Amt übernahm.
1989 erhielt die Naturschutzjugend zum Jahresbeginn die Anerkennung als Jugendorganisation nach dem Landesjugendplan.
1991 wurde aus dem Deutschen Bund für Vogelschutz der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Diese Namensänderung spiegelte die immer umfangreicher werdenden Aufgaben und Aktivitäten wider. Zudem war sie den ostdeutschen Naturschützer*innen geschuldet, die nach der politischen Wende eine neue Heimat im NABU suchten und fanden.
1992 fand die Landesvertreterversammlung in Rheine statt. Mit der Unteren Havel/Gülper See übernahm der NABU NRW eine Patenschaft für das Feuchtgebiet in Brandenburg von internationaler Bedeutung. Nach vier Jahren im Amt übergab Heinz Kowalski den Vorsitz an Prof. Dr. Wolfgang Gerß, der von rund 400 Delegierten auf der NABU-Versammlung zum neuen Landesvorsitzenden gewählt wurde.
1996 hatte der NABU NRW, dreißig Jahre nach seiner Gründung, rund 45.000 Mitglieder und arbeitete mit circa 120 Untergliederungen und Jugendgruppen, seinen Fachausschüssen und Arbeitskreisen flächendeckend in NRW. Im Rahmen der Landesvertreterversammlung in Detmold wurde Josef Tumbrinck zum neuen Landesvorsitzenden gewählt.
1999 zogen NABU und NAJU NRW nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, die Geschäftsstelle in die Landeshauptstadt zu verlegen, im August mit 14 hauptamtlichen Mitarbeitenden in die Merowingerstraße 88 nach Düsseldorf.
Am 18. Februar 2004 wurde die bereits als unselbstständig geführte NABU-Stiftung Naturerbe NRW unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Gerß selbstständig.
2007 feierte die NAJU NRW ihren 25. Geburtstag. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche und der Verbraucherzentrale NRW stellte sich der NABU an die Spitze der Klima-Allianz NRW und koordinierte landesweit die Aktivitäten um das Thema Klimawandel. Am 8. Dezember fand eine Großdemonstration vor dem Braunkohlenkraftwerk in Neurath statt. Über 3.000 Menschen folgten dem Aufruf zu dieser Veranstaltung.
2013 wechselten der NABU und die NAJU NRW im April in neue Geschäftsräume. Mit Blick auf das enorme Wachstum des Verbandes wurden zusätzliche Büros gesucht und an der Völklinger Straße 7–9 in Düsseldorf gefunden. Die Zahl der Mitarbeitenden war mittlerweile auf 20 angewachsen. Die direkte Nähe zu Medien, Landtag und Staatskanzlei sollte die weitere Entwicklung und die politische Schlagkraft des NABU NRW begünstigen.
Foto: Schloss Drachenburg gGmbH / Christoph Fein
Am 23. April 2016 feiert der NABU NRW sein 50-jähriges Bestehen auf Schloss Drachenburg in Königswinter, dem Sitz der Stiftung Naturschutzgeschichte. Im Jubiläumsjahr verfügt der NABU-Landesverband über rund 72.500 Mitglieder und arbeitet mit 150 Untergliederungen, zahlreichen Einrichtungen, seinen Landesfachausschüssen und Arbeitskreisen flächendeckend in Nordrhein-Westfalen.
2018 Zum Jahresende bekannten sich allein in NRW fast 90.000 Menschen mit ihrer Mitgliedschaft zum Naturschutz und legten damit sowohl die finanzielle Basis für die praktische Naturschutzarbeit wie auch für die Unabhängigkeit der politischen Arbeit. Unter dem Motto ´Blühende Land(wirt)schaft – Ist das Natur oder kann das weg?´ lud der NABU NRW zum 1. NRW-Naturschutztag nach Münster ein.
2019 wählten die Delegierten der nordrhein-westfälischen NABU-Gruppen auf der NABU-Landesvertreterversammlung in Kreuztal Dr. Heide Naderer als neue Landesvorsitzende. Sie trat damit als erste weibliche Vorsitzende eines anerkannten Naturschutzverbandes in NRW die Nachfolge von Dr. Josef Tumbrinck an.
2020 startete der NABU NRW Ende Juli zusammen mit den anderen beiden großen NRW-Naturschutzverbänden BUND und LNU die landesweite „Volksinitiative Artenvielfalt“. Unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ wurden in den folgenden Monaten, trotz der Pandemie-Einschränkungen, von engagierten Naturschützer*innen und NABU-Gruppen Unterschriften wahlberechtigter Bürger*innen gesammelt. Ziel: Mindestens 66.000 Unterschriften, um zu erwirken, dass sich der Landtag mit den Anliegen der Volksinitiative beschäftigen muss.
2021 Ein Jahr geprägt von globalen Krisen, deren Auswirkungen nicht nur mit der Flutkatastrophe auch NRW deutlich zu spüren bekam. 115.035 gesammelte Unterschriften konnten die Initiator*innen der „Volksinitiative Artenvielfalt NRW“ dennoch Anfang Juli an Landtagspräsident André Kuper überreichen. Umso größer war dann die Enttäuschung, als am 24.November die Mehrheit der Regierungsparteien im NRW-Landtag der Volksinitiative eine deutliche Absage erteilte.
2022 Im Rheinischen Revier, Europas größtem Braunkohlerevier, stehen Menschen, Natur und Wirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel. Der NABU NRW setzt sich seit Jahren dafür ein, Artenvielfalt und wertvolle Ökosysteme zu erhalten und wiederherzustellen. Ein Schwerpunkt ist dabei die bessere Vernetzung von Schutz- und Wildnisgebieten. Gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden hat der NABU dazu ein „Grundlagenkonzept Biotopverbund Rheinisches Revier“ erstellen lassen. Denn es zeigt sich erneut, dass die Landesregierung die starke Konkurrenz um Flächen bislang weder ausreichend ausgleicht noch umsichtig steuert.
2023 Die Mitgliederzahlen steigen stetig: Mit rund 127.000 Mitgliedern zum Ende des Jahres bleibt der NABU NRW einer der drei stärksten NABU-Landesverbände bundesweit. Dass Naturschutz und der Ausbau erneuerbarer Energien zusammen gedacht und umgesetzt werden, dafür hat sich der NABU bei den aktuellen Regionalplanverfahren zur Ausweisung von Windenergiegebieten gemeinsam mit den anderen Naturschutzverbänden in NRW stark gemacht. Parallel zu den Gebieten zum Ausbau der Erneuerbaren Energien braucht es auch Vorrangflächen für den Naturschutz, um Maßnahmen gegen Klima- und Biodiversitätskrise ausgewogen und gemeinsam angehen zu können.
Der NABU Landesvorstand ist inzwischen gleichermaßen von Frauen und Männern und über alle Altersgruppen hinweg besetzt.
2024 Kriege, geopolitische Krisen und wirtschaftliche Prioritäten beeinflussen die EU-Politik und damit auch Entscheidungen in Deutschland und NRW. Der NABU NRW kämpft auf allen Planungsebenen mit der wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzung der Landesregierung, die in der Raumplanung keinen Platz lässt für „ungenutzte Freiräume“. Gleichzeitig nimmt weltweit wie auch in NRW das Artensterben zu.
2025 Das Rheinische Revier, die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung in Landesrecht und die drohende Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz beschäftigen den NABU. Das Netzwerk von Kooperationspartner*innen, die sich der außerhalb des NABU NRW für den Schutz von Arten und Natur einsetzen, wächst weiter.
Die Büroräume der Landesgeschäftsstelle in der Völklingerstraße werden derzeit saniert und nach den NABU‑Umweltleitlinien nachhaltig umgebaut. Damit das Team währenddessen gut arbeiten kann, ist die Geschäftsstelle des NABU‑Landesverbands seit Ende Februar vorübergehend in der Helmholtzstraße 19 in Düsseldorf zu finden.
Meilensteine zum 60-jährigen Jubiläum
2026 feiert der NABU NRW sein 60-jähriges Bestehen und ist mit rund 140.000 Mitgliedern zum größten NABU-Landesverband bundesweit angewachsen. Dabei ist der Anteil an Frauen (49,2 %) und Männern (49,8 %) relativ ausgeglichen. Der NABU NRW arbeitet mit 180 NABU-Gruppen, 5 Biologischen Stationen sowie 6 BNE-Zentren, seinen 5 Hochschulgruppen (Bochum, Bonn, Düsseldorf, Siegen und Bielefeld), Landesfachausschüssen und Arbeitskreisen flächendeckend in Nordrhein-Westfalen für den Natur- und Artenschutz…
… und wird dies auch in den nächsten Jahrzehnten weiterhin mit Fachkenntnis und Herzblut für die Sache tun.
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Der NABU veröffentlicht seine „Walderklärung“ mit 10 zentralen Punkten für einen besseren Schutz der Wälder. Gleichzeitig markiert der Naturschutztag den öffentlichen Auftakt zum 60sten Jubiläum des NABU NRW, dem mit heute rund 140.000 Mitgliedern größten Umweltverband in NRW. Mehr →
NABU-festschrift 2016
Auf 336 reich bebilderten Seiten wird nicht nur die Geschichte des NABU NRW, sondern auch die der Umweltpolitik in NRW dokumentiert. Zahlreiche Zeitzeugen blicken auf Erfolge und Niederlagen, nehmen aber auch aktuelle und künftige Herausforderungen in den Fokus. Mehr →
mehr zur Jubiläumsveranstaltung 2016
Der NABU NRW feierte am 23. April 2016 sein 50-jähriges Bestehen auf Schloss Drachenburg. Über 150 geladene Gäste gratulierten. Darunter der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel und NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Mehr →
