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Heinz Kowalski – Zeitzeuge NRW

Ein Leben mit und für den Naturschutz

Seit über 55 Jahren ist Heinz Kowalski NABU-Mitglied und hat seitdem den NABU und den Natur- und Vogelschutz in NRW entscheidend geprägt. In einem persönlichen Bericht beschreibt er diese Zeit und sein Engagement für den NABU und den Natur- und Vogelschutz.

Ausgezeichnet: Heinz Kowalski mit Lina-Hähnle-Medaille geehrt

15. November 2025 – Heinz Kowalski ist seit 1970 Mitglied im NABU Nordrhein-Westfalen und damit ein echtes NABU-Urgestein. Er gilt als streitbarer Naturfreund, der mit seiner authentischen Art, die ebenso fachlich fundiert wie emotional überzeugend ist, den Naturschutz seit Jahrzehnten wirkungsvoll und glaubhaft vertritt. Nun wurde er für sein Lebenswerk und sein jahrzehntelanges Engagement für den Naturschutz auf der NABU-Bundesvertreterversammlung 2025 mit der Lina-Hähnle-Medaille ausgezeichnet.

„Heinz Kowalski hat den NABU in Nordrhein-Westfalen entscheidend geprägt und viele wertvolle Projekte auf den Weg gebracht, zum Beispiel das Netz der biologischen Stationen in NRW. Ohne seinen unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz wäre es um die Natur in unserem Land weitaus schlechter bestellt. Ich freue mich sehr, dass er mit der höchsten NABU-Auszeichnung, der Lina-Hähnle-Medaille, für sein Lebenswerk geehrt wurde“, erklärt Dr. Heide Naderer, NABU-Landesvorsitzende Nordrhein-Westfalen.

Heinz Kowalski erhält die Lina-Hähnle-Medaille für sein Lebenswerk (v.l.n.r. Dr. Heide Naderer, Landesvorsitzende NABU Nordrhein-Westfalen, Heinz Kowalski, Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident) - Foto: NABU/Guido Rottmann

Heinz Kowalski erhält die Lina-Hähnle-Medaille für sein Lebenswerk (v.l.n.r. Dr. Heide Naderer, Landesvorsitzende NABU Nordrhein-Westfalen, Heinz Kowalski, Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident) - Foto: NABU/Guido Rottmann


Heinz Kowalski blickt zurück – ein persönlicher Bericht

Heinz Kowalski - Foto: Bernd Schaller

Foto: Bernd Schaller

„Ich wurde in Bergneustadt geboren, wo ich bis heute wohne. Das Haus meiner Eltern stand neben einem parkartigen Friedhof, auf dem viele Vögel sangen. Die Rufe der Eulen drangen bis in mein Schlafzimmer. Mein Großvater, der sehr naturverbunden war, machte mit mir Wanderungen in die Natur und zeigte mir, wie man verletzte Vögel aufpäppelt. In der späteren Jugendzeit traten bei mir sportliche Interessen in den Vordergrund.

Erst als ich mit meiner Frau eine eigene Wohnung bezog, konnte ich mich wieder der Vogelkunde widmen. Meine Frau schenkte mir das Buch „Die Vogelwelt des Oberbergischen Landes“. Ich nahm Kontakt zum Kreisvogelschutzbeauftragten der Vogelschutzwarte des Landes Nordrhein-Westfalen auf. Wir hängten viele Nistkästen auf; unter anderem installierten wir Eulenkästen in Kirchtürmen. Im Jahr 1970 trat ich in den DBV (Deutscher Bund für Vogelschutz) ein, blieb aber zunächst noch passives Mitglied, da es für Bergneustadt damals weder eine Orts- noch eine Kreisgruppe gab.

Im selben Jahr trat ich auch in die Gesellschaft Rheinischer Ornithologen (GRO) ein, innerhalb derer ich die Arbeitsgemeinschaft Bergischer Ornithologen gründete. Die GRO arbeitete eng mit dem DBV zusammen. Der Vorsitzende der GRO, Professor Wolfgang Erz, suchte einen Nachfolger. Ich erklärte mich zur Kandidatur bereit und wurde gewählt. Da ich mich schon vorher auf die Würger spezialisiert hatte – das Oberbergische Land war ein Verbreitungsschwerpunkt von Neuntöter und Raubwürger –, gründete ich als GRO-Vorsitzender die Arbeitsgruppe „Würger/Hecken/Vernetzung“. Auf einer Veranstaltung des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten hielt ich einen Vortrag über den Neuntöter. Ein Teilnehmer dieser Veranstaltung war Dr. Hermann Klingler, damals Mitglied des DBV-Präsidiums. Er fragte mich, ob ich zur Kandidatur für die bevorstehende Vorstandswahl des DBV-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen bereit wäre. Bei der Wahl 1988 kandidierte ich und wurde als DBV-Landesvorsitzender gewählt. Mein Stellvertreter war Professor Wolfgang Gerß. Wegen meiner beruflichen und ehrenamtlichen Überlastung tauschten wir im Jahr 1992 unsere Ämter. Professor Gerß wurde Landesvorsitzender, ich stellvertretender Landesvorsitzender.


Neuntöter – Verbreitungsschwerpunkt im oberbergischen Land - Foto: Frank Derer

Neuntöter – Verbreitungsschwerpunkt im oberbergischen Land - Foto: Frank Derer

Neben dem Engagement auf Landesebene blieb ich dem Naturschutz auch auf Orts- und Kreisebene verbunden. Ich gründete, mit Unterstützung vor allem von Dr. Gero Karthaus und Dr. Wulf Nägel, den DBV-Kreisverband Oberbergischer Kreis und blieb für einige Zeit dessen Vorsitzender. Auf lokaler Ebene bin ich bis heute Sprecher der NABU-Ortsgruppe Bergneustadt. Nach der Vereinigung der ostdeutschen mit den westdeutschen Landesverbänden und der Umbenennung des DBV in NABU wurde die westdeutsche regionale Gliederung mit der in Ostdeutschland üblichen fachlichen Gliederung des Verbandes kombiniert. So entstand der NABU-Bundesfachausschuss „Ornithologie und Vogelschutz“, dessen Vorsitz ich später übernahm. Auf Bundesebene war ich Vorstandsmitglied – zeitweise stellvertretender Vorsitzender – der „Deutschen Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz“, bis dieser aufgelöst und vom NABU als deutschem Partner von „Birdlife International“ sowie vom neu gegründeten „Deutschen Rat für Vogelschutz“ abgelöst wurde, in dem ich weiterhin den NABU vertrete.

Als Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen war ich an mehreren, für die Zukunft des Naturschutzes richtungweisenden Ereignissen beteiligt. Dazu gehört die Erarbeitung des Konzepts der Biologischen Stationen. Ich hatte dem damaligen Umweltminister Klaus Matthiesen vorgeschlagen, analog zu Pflegestationen für ältere Menschen zur Unterstützung des ehrenamtlichen praktischen Naturschutzes für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt eine eigene professionelle Station einzurichten. Diese Idee wurde erfolgreich verwirklicht.

Um den NABU finanziell und naturschutzpolitisch zu stärken, wurde mit der sogenannten halbprofessionellen Mitgliederwerbung begonnen, wodurch die Mitgliederzahl sich in wenigen Jahren mehr als verdoppelte. Ich kümmerte mich um die Organisation regelmäßiger Gesprächsrunden, um den NABU bekannter zu machen und Bündnispartner zu finden. Besondere Resonanz fanden die von mir organisierten „Kamingespräche“ beim Chemiekonzern Bayer, an denen unternehmensübergreifend Vertreter der Wirtschaft sowie Vertreter der Gewerkschaften und Politiker teilnahmen.


Wir haben als NABU manches stoppen und sogar umkehren können. Ohne uns sähe es für die Natur in Nordrhein-Westfalen noch schlechter aus.

Heinz Kowalski

2015 wurde ich als NABU-Schatzmeister in das geschäftsführende Präsidium gewählt. In dieser Zeit nahm der NABU an Mitgliedern und Finanzen erheblich zu. Ende 2019 bin ich dann ich das Ehrenpräsidium des NABU gewechselt, das zurzeit aus zwei Mitgliedern besteht. Den stellvertretenden Landesvorsitz habe ich im Jahr 2020 aufgegeben. Dafür leite ich nach einer Pause wieder den Landesfachausschuss Wald. Um das Waldthema kümmere ich mich seitdem ebenso wie auf Bundesebene wieder sehr aktiv. Und natürlich auch weiterhin um unsere Vogelwelt in NRW und bundesweit als Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz sowie weiterhin um unsere Ortsgruppe Bergneustadt.“

(Überarbeitung: November 2020)


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