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Ungewöhnlich viele Distelfalter gezählt

Ansonsten kein gutes Jahr für unsere Tagfalter in NRW

Überraschend viele Distelfalter wurden bei der Zählaktion gemeldet, die Wanderfalter waren während der Zählaktion aus dem Süden eingewandert. Vorne liegen aber wie in den Vorjahren auch die Kohlweißlinge. Insgesamt ist 2019 kein gutes Schmetterlingsjahr.

Distelfalter - Foto: Sarah Bölke

Distelfalter - Foto: Sarah Bölke

24. Juli 2019 – Vier Wochen lang wurden sie gezählt unsere Schmetterlinge in NRW. Die Ergebnisse der fünften Zählaktion sorgen für eine Überraschung: Der Distelfalter, das Schlusslicht der Vorjahre, wurde in diesem Jahr am zweithäufigsten gemeldet und flog somit beinahe so oft durch die Gärten wie die Kohlweißlinge. Die Zahlen der anderen Tagfalterarten sind hingegen besorgniserregend niedrig. Insgesamt wurden nur knapp 12.000 Schmetterlinge gemeldet.


Die Ergebnisse der Zählaktion 2019 im Detail: Mit 1650 Meldungen sind die Kohlweißlinge wieder die meist beobachteten und gemeldeten Tagfalter. Im Vergleich zu 2018 mit 13.000 Kohlweißling-Meldungen waren die weißen Falter allerdings viel seltener unterwegs. Auf dem zweiten Platz liegt in diesem Jahr überraschenderweise und erstmalig seit Beginn der Zählaktion der Distelfalter mit 1200 Meldungen. Dieser Wanderfalter ist somit die einzige Falterart der Zählaktion, die in diesem Jahr häufiger beobachtet werden konnte als 2018. Alle anderen Arten wurden deutlich seltener gesehen: Platz 3 belegt mit 1100 Meldungen das Große Ochsenauge. Je 500 Mal wurden die Braun-Dickkopffalter und der Schornsteinfeger gemeldet. Zitronenfalter (400), Bläulinge (350) und Admiral (250) sind ebenfalls deutlich seltener gesehen worden als im Vorjahr. Gleichauf liegen die Beobachtungszahlen von C-Falter und Tagpfauenauge: Mit jeweils 200 Meldungen liegen sie zusammen auf dem vorletzten Platz der Zählaktion. Das Schlusslicht bildet in diesem Jahr der Kleine Fuchs, er wurde nur knapp 100 Mal gemeldet.


Im Vergleich zur Zählaktion 2017 und dem guten Schmetterlingsjahr 2018, wurden in diesem Jahr deutlich weniger Schmetterlinge gemeldet.

Im Vergleich zur Zählaktion 2017 und dem guten Schmetterlingsjahr 2018, wurden in diesem Jahr deutlich weniger Schmetterlinge gemeldet.


Einwanderung von Distelfaltern vor und während der Zählaktion

Abgeflogener Distelfalter - Foto: Helge May

Abgeflogener Distelfalter - Foto: Helge May

Die hohe Anzahl der Distelfalter lässt sich auf ein Naturphänomen zurückführen, welches etwa alle 10 Jahre zu beobachten ist. Wie zuletzt 2009 kam es in diesem Jahr zu einer Masseneinwanderung dieser Tagfalterart aus Ost und Südost. Der Grund hierfür lag in Saudi Arabien, hier hatten Raupenfutterpflanzen des Falters durch hohe Niederschlagsmengen wohl ein gutes Jahr. Daher konnten sich besonders viele Distelfalter entwickeln und sich nach ihrer Raupen- und Puppenphase dann über das östliche Mittelmeer, die Türkei und den Balkan auf den Weg nach Norden machen. Die lange Reise sah man den guten Fliegern auch an, sie waren blass und die Flügel wiesen deutliche Gebrauchsspuren auf. „Kein Wunder“, bestätigt Karl-Heinz Jelinek, Sprecher des NABU-Landesfachausschusses Entomologie:


Die Distelfalter, die wir hier zählen konnten, hatten teilweise mehrere hundert Kilometer in wenigen Tagen zurückgelegt. Diese Falterart zeigt ein beeindruckendes Wanderverhalten, welches es ihr ermöglicht temporäre Nahrungshabitate optimal zu nutzen in dem sie ihnen einfach nachreist. Je nach Jahreszeit reicht das Nutzungshabitat daher von Island bis zur Sahelzone, es erstreckt sich also über ein Gebiet von 7000 Kilometern.

Die anderen Tagfalter wurden viel seltener beobachtet

Tagpfauenauge auf Wiesenkerbel - Foto: Helge May

Tagpfauenauge auf Wiesenkerbel - Foto: Helge May

Erschreckend gering sind dagegen die Meldungen der anderen Tagfalterarten in diesem Jahr: „Viele Teilnehmer berichten von auffallend wenigen Schmetterlingen im Garten und sind sehr besorgt, was den Bestand unserer heimischen Tagfalter betrifft“, so Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW. Vor allem die kühle Witterung im Mai, aber auch die Dürre des letzten Sommers kommen hier als Gründe in Frage. Vermutlich sind besonders bei den Falterarten mit Spätsommergenerationen, wie dem Tagpfauenauge, ganze Generationen der Trockenheit zum Opfer gefallen, da die Raupenfutterpflanzen vertrocknet sind.

Untersuchungen der letzten Jahrzehnte belegen erschreckende Rückgänge nicht nur bei der Artenvielfalt, sondern auch bei der Menge der Insekten. Die Meldungen früherer Allerweltsarten wie dem Kleinen Fuchs gehen seit Jahren zurück und sind so gering wie nie zuvor. „Umso erfreulicher ist daher die Konsequenz, die viele Teilnehmer aus dieser Beobachtung ziehen: Sie möchten ihren Garten schmetterlingsfreundlich machen“, so Chwallek weiter.


Kleiner Fuchs - Foto: NABU/Bernd Stahlschmidt

Zeit der Schmetterlinge

Ein Projekt zum Mitmachen

Jedes Jahr vom 15. Juni bis 15. Juli Schmetterlinge zählen und melden! Schmetterlinge werden allerorts immer seltener. Der NABU NRW möchte mit dieser Zählaktion herausfinden, wie viele Schmetterlinge eigentlich noch durch unsere Gärten flattern. Mehr →

Logo Zeit der Schmetterlinge - NABU NRW
⇒ mehr zum Projekt
Tagpfauenauge an Dost – Foto: Helge May

Schmetterlingsporträts

Welcher Falter fliegt denn da? Hier stellen wir Ihnen einige Arten vor, die man mit den richtigen Pflanzen und etwas Glück auch im eigenen Garten beobachten kann.

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Schmetterlinge brauchen Nahrung. Wir stellen Ihnen wichtige Nektarpflanzen vor, die in keinem schmetterlingsfreundlichen Garten fehlen sollten.

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Ein Garten für Schmetterlinge

Rasenflächen bestimmen oftmals das Bild in unseren Gärten. Für Schmetterlinge gibt es da nichts zu holen.

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